Historischer Wanderweg rund um die Friedenskirche am Schiffshebewerk

LucasbrückeRund um die Friedenskirche, ausgehend vom Industriemuseum Altes Schiffshebewerk zur Alten Schachtschleuse, hat der Plattdeutsche Sprach- und Heimatverein einen historischen Wanderweg mit drei Geschichtstafeln geschaffen. Nördlich der Unterführung des Schiffshebewerks über die Fahrstraße führt der geschotterte Weg zwischen dem Museumsgelände und dem Garten,der ehemaligen Villa des direktors in Richtung Westen. Am Yachthafen, dort wo der Dortmund-Ems-Kanal und der Herne-Kanal aufeinander gelangen Spaziergänger und fahrer nach einer Biegung zur Brücke. Gleich hinter der neben dem Treppenaufgang zur Provinzialstraße, steht die erste mit folgendem Text: 

LUCASBRÜCKE 

Jahr 1899: Fertigstellung einer ersten Brücke über den neu gebauten Dortmund-Ems-Kanal im Zuge der Provinzialstraße,benannt nach dem benachbarten gleichnamigen Gasthofs- und Sägewerksbesitzer Josef Lucas. Als Brückenträger füngierte eine Eisenkonstruktion, als Belag dienten Holzbohlen. 

Jahr 1933: Anpassung des Kanalübergangs an die Erfordernisse des wachsenden Straßenverkehrs durch eine breitere Brücke mit Widerlagern und einer Betonfahrbahn. Jahr 1945: Sprengung der Brücke am Ende des Zweiten Weltkriegs durch die deutsche Wehrmacht, um den Vormarsch der Amerikaner zu stoppen. Durch Bombenangriffe war der Kanal bis auf 1 m Tiefe ausgelaufen, so dass ein schmaler, wippender Holzsteg den Fußgängern und Radfahrern längere Zeit als Überweg diente. Jahr 1946: Montage einer Behelfsbrücke über den wieder in Betrieb genommenen Kanal durch die britische Militärregierung, benannt nach dem englischen Brückenbau-Ingenieur Bailey. 

Jahr 1948: Errichtung der heutigen Brücke mit 451 Tragfähigkeit(Brückenklasse 4: Länge 60,7m, Breite 11m, Gewicht ca. 500t); für den Rußlandfeldzug zur Flußüberquerung des Dnjestr, Dnjepr oder der Wolga fertiggestellt, lagerte die Brücke beiKriegsende abrufbereit bei der Fa. Klöckner, weil sie nicht zum Einsatz gekommen war. Durch Entnahme eines Mittelstückes der Kanalgröße angepasst, wurde die Brücke am 25. Februar 1949 ihrer Bestimmung übergeben. Sie ist so stabil gebaut, dass sie noch Jahrzehnte benutzt werden kann, obwohl es sich hierbei um eine Behelfsbrücke handelt. 

Gedenktafel LuftschutzbunkerEtwa 100 Meter weiter, mit schönen Blick über den Dortmund-Ems-Kanal mit seinen Zufahrten zu den vier Abstiegsbauwerken, geradeaus nach Norden der Blick auf die Eisenbahnbrücke und die Industrieanlagen von Ruhrzink und E.on Kraftwerkmit seinen Hafenanlagen, liegt, eingegraben in den Mergelberg,ein ehemaliger Luftschutzstollen. An dem zugemauerten Eingang ist eine Zeittafel zur Geschichte des Erdbunkers aus dem Zweiten Weltkrieg angebracht.

LUFTSCHUTZSTOLLEN IM ZWEITEN WELTKRIEG 1939-1945 

Um 1900, beim Bau des Dortmund-Ems-Kanals und der Schachtschleuse, entstand diese Halde durch Mergelaushub. Mergel ist ein besonders standfester Boden. Anfang des Zweiten Weltkrieges bot es sich an. In dieser Halde einen Stollen zu graben zum Schutz der Meckinghovener Bevölkerung vor Luftangriffen. Bergmänner der Zeche Emscher-Uppe, erfahren im Stollenbau, wurden für diese Arbeit von der Zechenleitung freigestellt. Ab Oktober 1944 richteten die Luftangriffe der Alliierten größere Schäden in Datteln an. Bis Ende Januar 1945 wurden in Datteln 1065 Fliegeralarme ausgelöst; davon waren 630 Nachtalarme. 

Am 6. und 7. März 1945 verfehlten die Bomben ihr Ziel, die Anlagen der Zeche Emscher-Uppe; sie trafen den Ortsteil Meckinghoven, u.a. einen Erdbunker; 19 Menschen starben Am 9. und 14. März 1945 folgten zwei Großangriffe auf die Zeche Emscher-Lippe und auf Dattelner Wohngebiete. Die Kanäle wurden so getroffen, dass sie zum Teil ausliefen. Bei diesen Angriffen fanden 537 Personen, darunter 300 russische Kriegsgefangene den Tod. Nach dem Krieg wurde dieser Stollen zugemauert. 

Wenige Meter weiter macht der Weg eine starke Rechtsbiegung und der Blick fällt auf die Alte Schachtschleuse mit interessanter Geschichte. Sie ist nachzulesen auf einer Tafel am Unterwasser unterhalb der Friedenskirche.

ALTE SCHACHTSCHLEUSE 

Jahr 1899: Einweihung des Dortmund-Ems-Kanals und des Schiffshebewerks Henrichenburg durch Kaiser Wilhelm II. (am 11. August). Schiffshebewerk Henrichenburg

Jahr 1905: Beschluss des Preußischen Landtages zur Errichtung eines Reservebauwerks, um im Falte von Betriebsstörungen am Hebewerk den Schiffsverkehr nach Dortmund aufrecht zu erhalten und um die zunehmende Zahl der Schleusungen, vor allem nach Fertigstellung des Rhein-Herne-Kanals und des Mittellandkanals, zu bewältigen. 

Jahr 1907/08: Kauf des Geländes durch den preußischen Kanalfiskus, u.a. von der evangelischen Kirchengemeinde: die 1901 eröffnete Friedenskirche wird heute als evangelische Schifferkirche genutzt (seit 1985 unter Denkmalschutz). Jahr 1908: Umlegung der Waltroper Chaussee; Beginn der Ausschachtungsarbeiten. 

Jahr 1909-1913:z Architektur: Die zwei Turmhauben, die Anspielung an einen überdachten Wehrgang, die grobbehauene Sandsteinverblendung, als Schmuck das preußische Königswappen, der tunnelartige Gang in die Schleusenkammer zeigen eine Anlehnung der Wehrbautechnik des Mittelalters. 

Jahr 1913: Einbringen des Schlusssteines des unteren Gewölbebogens.

Dieser Schlussstein bildet eine anonyme Porträt-Skulptur. Rodolph HaackNach Forschungen und Feststellungen des Dr. Eckhard Schinkel, wissenschaftlicher Referent des Westf. Industriemuseums LWL, handelt es sich um den Ingenieur-Wissenschaftler Rudolph Haack (1833 -1909). Als langjähriger Leiter der Stettiner Vulcan-Werft erwarb sich Rudolph Haack besondere Verdienste in der Entwicklung des Eisenschiffbaues, ebenso als schiffbaulicher Berater des deutschen Kaisers, als Gutachter für Schiffbau, Binnenschifffahrt und Wasserstraßen, u.a. für das Projekt „Schiffshebewerk Henrichenburg". 

Jahr 1913/14: Um den Wasserverlust beim Betrieb der Schachtschleuse möglichst gering zu halten, verfügte die Anlage als Sparschleuse an beiden Seiten über fünf abgestufte, terrassenförmig angelegte Speicherbecken, so dass der größte Teil des Schleusenwassers erneut genutzt werden konnte. 

Jahr 1914: Inbetriebnahme der Schleuse (im September): Eine offizielle Einweihung fand wegen Ausbruch des 1. Weltkrieges nicht statt. 

Jahr 1989: Unterschutzstellung als technisches Industrie-Denkmal. 

Jahr 1990: Stilllegung der Schachtschleuse.

Gewidmet vom Plattdeutschen Sprach- und Heimatvereins Datteln 1922 e.V. am 20. Juni 2006